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Alte Tonrohre und Ziegelsteine für Kräuterspirale und Blumenbeet – Upcycling

Von Zeit zu Zeit stöbere ich gerne in der “Guten Tat” oder im regionalen Kleinanzeigenmarkt. Dabei richtet sich mein Fokus hauptsächlich auf wiederverwertbares Material aus Naturstoffen wie Holz oder Stein, selten auch mal aus Metall (z.B. für Rosenbögen und Rankgerüste). All das sollte möglichst naturbelassen, kostenlos und aus der näheren Umgebung sein.

Neben Paletten für Hochbeete oder Altfenster für Anlehngewächshäuser kann man auch schon mal so was Tolles finden: Alte Tonrohre und Ziegelsteine.

Tonrohre

Zwei nette Damen aus der Nachbargemeinde verschenkten freundlicherweise Tonrohre bei ebay-Kleinanzeigen. Schon als ich das Foto sah, war mir klar, dass ich die haben wollte. Anstatt gleich den Pferdeanhänger mitzunehmen, fuhr ich nur mit dem Auto zum Abholen. Da ahnte ich noch nicht, wie schwer die Dinger sein würden. Die 8-kantigen, ehemaligen Drainagerohre haben eine Länge von ca. 34 cm, einen Außendurchmesser von 14 cm und ein Gewicht von 3 Kg pro Stück. Die stattliche Menge von 67 Stück war dann auch äußerst grenzwertig für den Transport mit dem Auto. Trotzdem jubelte ich über diesen Fund und stapelte sie zufrieden – bis zur weiteren Verwendung – im Garten auf.

Drainagerohre aufgestapelt

Lochziegel

Wenige Tage später fand ich dann – ebenfalls zum Nulltarif – eine Sammlung von verschiedenen Lochziegeln.

Insektenfreunde kennen sie, denn sie werden häufig für den Bau von Insektenhotels angeboten. Allerdings sind diese Lochziegel ziemlich wertlos als Nisthilfen. Warum das so ist und wieso diese Lochziegel sich überhaupt nicht als Nisthilfe für Wildbienen u.a. eignen, hat der Biologe Werner David im Beitrag Sinn und Unsinn von Lochziegeln in Nisthilfen für solitäre Wildbienen und Wespen anschaulich erklärt.

Für meine Idee jedoch sind diese Ziegel genau richtig 🙂

Lochziegel in verschiedenen Ausführungen

Unsere Idee für ein Kräuterbeet

Die Kräuterspirale

Fast jeder Permakulturgarten hat mittlerweile eine Kräuterspirale. Der Gedanke dabei ist, durch Schaffen von verschiedenen Klima-Zonen, Bodenbeschaffenheiten und Höhenunterschieden jedem Kraut den geeigneten Platz zu bieten. Auch eine Feuchtzone kann mit eingeplant werden. Kräuterspiralen können aus den unterschiedlichsten Materialien gebaut werden: Holzpalisaden, Dachpfannen, Drahtgeflecht, Ziegel-, Natur- und Bruchsteine. Ein gut durchdachtes Permakulturelement und zumindest in den Anfangsjahren hübsch anzusehen. In der Praxis zeigt sich mitunter jedoch, dass die meisten Kräuterspiralen zu klein gebaut werden. Oder anders gesagt: Die Entwicklung und Wuchsfreudigkeit der verschiedenen Kräuter wird häufig unterschätzt. Möchte man nicht ständig die Kräuter ernten, radikal beschneiden oder gar umpflanzen, hat man bald einen Kräuterdschungel. Die gute Optik der Spirale verschwindet dann schnell. Was in einem Permakulturgarten zum Teil erwünscht sein kann, sieht dann in einem gepflegten Vorgarten ziemlich bald “urwüchsig” aus. Wer z.B. einen kleinen Estragon im 9cm-Töpfchen kauft, wird überrascht sein, dass sich dieser im Laufe der Zeit – besonders in der Blüte – durchaus zu einer mannshohen Pflanze entwickeln kann – unter optimalen Bedingungen. Oder dass Zitronenmelisse sich gerne ausbreitet, viel Raum in Anspruch nimmt und dabei kaum ein anderes Kraut neben sich duldet. Eine gute Vorbereitung inkl. gut durchdachter Auswahl an Kräutern ist daher sehr wichtig.

Drei-Zonen-Kräuterbeet mit Blumenrand

In unserem Garten wollen wir einen Kräuterbereich anlegen, der ähnlich wie eine Spirale funktioniert. Allerdings haben die groß- bzw. breitwüchsigen Kräuter wie Minzen, Zitronenmelisse, Wermut, Brennessel und Beinwell bereits ihre eigenen Standorte im Garten, wo sie sich mehr oder weniger ungehindert ausbreiten dürfen. Auch halbschattenliebende Lauchgewächse (Schnittlauch, Knolauch bzw. Schnittknoblauch, Frühlingszwiebeln) benötigen keinen Platz im neuen Kräuterbeet. Sie stehen nahe der Baumzone, wo sie wunderbar gedeihen. Aber für die klein- bzw. langsam wachsenden Kräuter wie Petersilie, Thymian, Salbei, Oregano, Rucola etc., die oft zu schnell von Stauden und Wildkraut überwuchert und so im Wachstum behindert werden, ist das neue Kräuterbeet ideal. Dafür wollen wir die Tonrohre und Lochziegel verwenden. Den Platz dafür haben wir auch schon. Hier lagert noch ein Teil des Haufens mit dem Aushub vom Bau der Ruhezone. Den können wir gleich mit in den Bau des Kräuterbeetes einbeziehen.

Auf dieser Fläche von etwa 3 x 2 m sollen drei miteinander verbundene Zonen entstehen. Meine Idee dabei ist: einfach anfangen und die Tonrohre Schritt für Schritt, über den Hügel wieder nach unten leiten und dann im Innenbereich nochmal eine Reihe Tonrohre zu setzen. Ganz individuell und ohne Richtschnur. Nach Süden hin soll es erst mal offen bleiben. Hier kommen am Schluss die Lochziegel zum Einsatz. Damit die Rohre bei Berührung nicht umfallen, grabe ich sie ca. 7 cm tief ein.

Für zusätzliche Stabilität und damit die Tonrohre später bepflanzt werden können, befüllt Wolfgang sie mit einer Mischung aus Gartenerde und Bodenkies. Ich arbeite mich derweil mit den Tonrohren weiter vor.

Wir verteilen noch vier Schubkarren Erde in der unteren Zone und mischen Kies unter die Erde in der oberen Zone. Mit den Lochziegeln schließen wir das Beet am Südende. Sie halten gleichzeitig die Erde zurück und bieten durch ihre Beschaffenheit unseren zahlreichen kleinen Gartenechsen Unterschlupf und Sonnenterrrassen.

Erste Bepflanzung

Die untere Zone ist für Kräuter gedacht, die vorher entweder in guter, satter Gartenerde standen (vollsonnig) und/oder einen nahrhaften Boden benötigen. Hier pflanze ich winterhartes Bohnenkraut, Oregano, Petersilie, Rucola und Salbei. In der kleinen hinteren Zone stehen Purpur-Salbei und Gemeine Schafgarbe. Sie können sich nach hinten über die Röhren orientieren. In der oberen, mediterranen, mageren Zone pflanze ich Thymian, Rosmarin, vietnamesischen Koriander und säe Süßlupinen, die dann später an eine andere Stelle im Garten gesetzt werden sollen.

In die Tonrohre habe ich eine Saatmischung Sommerblumen gesät, die mittlerweile auch schön aufgegangen ist.

Tonrohre mit Blumensaat

16. Juni 2021 – Es wird….

Alles im Kräuterbeet entwickelt sich prima – nur 1x habe ich bis jetzt die Tonröhren gegossen. Es hatte bei uns aber auch viel geregnet in diesem Frühjahr. Einige Kräuter kamen noch hinzu und vereinzelt auch Gemüsepflanzen. Die Blumen in den Röhren beginnen langsam mit der Blüte: die ersten Phacelia sind aufgegangen und auch an den anderen bilden sich bereits Knospen. Bald wird es bunt 🙂

Kräuterbeet

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2 Gedanken zu „Alte Tonrohre und Ziegelsteine für Kräuterspirale und Blumenbeet – Upcycling“

  1. Boh 😍, super Idee. Aus alt mach neu ist auch ganz mein Ding 😍❗Ich glaube ich muss mal schauen was bei uns so tolles verschenkt wird.

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